Nachfolgender Text über Professor Weizenbaum könnte für einen Teilbereich dieser perversen Mindcontroltechnologien eine Erklärung darstellen.
Aber wie schaffen es diese Puppenspieler , auf eine Person zuzugreifen die sich wochenlang von einem Computer fernhält, zum Beispiel Rückzug auf eine kleine Insel oder Europarundreise??????
Alles begann mit ELIZA.
Wilfried Brauer
Unsere Zivilisation steht heute am Anfang einer schweren geistigen Krise. Akademiker, Industrielle und Journalisten beschäftigt die Möglichkeit, dass der Computer irgendwie beweisen wird, das Gehirn sei lediglich eine Maschine aus Fleisch. Alleine eine solche These zu erwägen bedeutet, den Nutzen der Freiheit des Menschen, seiner Würde und seiner Autonomie in Frage zu stellen.
"Computer sind wie alle Instrumente nicht wertfrei, sondern erben ihre Werte von der
Gesellschaft, in der sie eingebettet sind. "
Und wir, die wir in Hamburg im November 1971 die Gründung des Instituts für Informatik
feierten - mit Professor Weizenbaum, der als Festredner uns seine neugewonnenen kritischen
Einsichten darlegte - wir können sagen: wir sind dabei gewesen!
Der Text des in deutscher Sprache gehaltenen Vortrags erschien im Januar 1972 in "Die Zeit"
und eine englische Version im Mai 1972 sogar in "Science" ,
unter dem Titel
"On the Impact of Computers on Society".
Diese Publikation enthält bereits alle Kerngedanken des Hauptwerks Weizenbaums:
"Computer Power and Human Reason - From Judgement to Calculation", erschienen 1976.
Mit diesem Buch hat Weizenbaum weit über die KI und über die Informatik hinaus eine
außergewöhnlich große Wirkung erzielt. Es wurde in etwa 10 Sprachen übersetzt - die deutsche Übersetzung
"Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft" erschien bereits 1977.
Wodurch wurde Professor Weizenbaum eigentlich derart aufgeschreckt, dass er sich der
gewaltigen Arbeit unterzog, ein solches Werk zu schreiben?
Es waren - wie Weizenbaum in der Einleitung seines Buches schreibt - vor allem drei
Ereignisse, "besonders nachdenklich gemacht hatten.
"1. Eine Anzahl praktizierender Psychiater glaubte im Ernst, das DOCTOR-Computerprogramm
könne zu einer fast völlig automatischen Form der Psychotherapie ausgebaut werden.
"2. Ich konnte bestürzt feststellen, wie schnell und wie intensiv Personen, die sich mit
DOCTOR unterhielten, eine emotionale Beziehung zum Computer herstellten und wie sie
ihm eindeutig menschliche Eigenschaften zuschrieben."
Auf die erste dieser Beobachtungen (bei seiner Sekretärin) hatte er schon in seiner 1967er
Arbeit über ELIZA hingewiesen.
"Diese Reaktionen auf ELIZA haben mir deutlicher als alles bis dahin Erlebte
gezeigt, welch enorm übertriebene Eigenschaften selbst ein gebildetes Publikum einer
Technologie zuschreiben kann oder will, von der es nichts versteht."
Das ist auch heute noch so - man ersetze nur ELIZA durch WWW, Multimedia, Virtuelle
Realität oder Ähnliches.
Diese Beobachtung macht es für Weizenbaum ganz deutlich, welch große Verantwortung ein
Wissenschaftler hat. Er nimmt diese Verantwortung auf sich und zieht daraus für sich die
Konsequenz, dass er die breite Öffentlichkeit aufklären muß, über das, was in dem neuen
Gebiet der Informatik geschieht - zwei Kapitel seines Buches widmet er allein der
Erklärung, wie Computerprogramme gemacht werden und wie Computer im Prinzip funktionieren.
Besonders muß Weizenbaum entsetzt haben, dass der schon erwähnte Colby diesen Irrtum
zum Ausgangspunkt eines ganzen Forschungsvorhabens machte.
Mit welchem ausserordentlichen didaktischen Geschick er dabei vorgeht, erkennt
man z. B. an seiner Beschreibung von formalen Sprachen als Spiel.
Weizenbaum hofft, dass er mit seiner Aufklärung der Mystifizierung des Computers
entgegenwirken und Fehlentscheidungen im Umgang mit dem Computer verhindern kann.
Gleich zu Beginn seines Buches hebt Weizenbaum hervor: "Aber ein Hauptpunkt dieses Buches ist genau der, daß wir alle nur zu sehr aus der Welt einen Computer gemacht haben und daß dies lange begonnen hatte, bevor es elektronische Computer gab."
Welch eine verblüffende Aussage!
Sie soll uns zum Bewußtsein bringen, daß
erstens Mathematik und Naturwissenschaft in den letzten 200 Jahren so erfolgreich waren,
daß wir es uns angewöhnt haben, die Welt mit naturwissenschaftlichem Denken zu erklären
und daß wir zweitens alles, was wir auf diese Weise klar zu verstehen glauben, auf den
Computer bringen können. Kurzschluß daraus: Die Welt wird zum Computer.
Weizenbaum analysiert Konsequenzen dieses Kurzschlusses.
Die Naturwissenschaft hat uns zu diesem großen
Weizenbaum setzt dagegen, daß zwar der Computer eine mächtige neue Metapher ist, mit der wir viele Aspekte der Welt leichter verstehen können, der jedoch ein Denken versklavt, das auf keine anderen Metaphern und wenige andere Hilfsmittel zurückgreifen kann. Die Welt, das sind viele Dinge,"
] "and no single framework is vlarge enough to contain them all, neither that of man's science nor that of his poetry, neither that of calculating reason nor that of pure intuition."
Und das hat die ganz entscheidende Konsequenz:
Eine gesellschaftlich relevante Frage, die sich damit für mich erhebt, betrifft den angemessenen
Da ist nun jeder gefordert. Und Weizenbaum verlangt, daß jeder an seinem Platz in seinen
Wenn man etwas glaubt, kann das Geglaubte Wirklichkeit werden, auch
Als Optimist ist Professor Weizenbaum davon überzeugt, dass Erziehung, Bildung und
Vor allem aber glaubt Professor Weizenbaum an die Macht des Wortes - d.h. daran, daß man
Und schließlich, drittens, unterscheidet sich Weizenbaum von anderen Computer-, KI- oder
Für seine wissenschaftlichen Leistungen - seine Beiträge zur praktischen Informatik und zur
Honorary Doctor of Science, Adelphi University, New York
Honorary Doctor of Humane Letters, Daniel Webster College of New Hampshire
(in besonderer Würdigung der schrifstellerischen Qualität seiner Schriften) Dr.-Ing. e.h., Fachbereich Informatik, Universität Bremen
- die Aufnahme in die
New York Academy of Sciences und die
European Academy of Sciences
großes Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
Dagmar und Vaclav Havel-Preis der Vision 97 Foundation, Prag
Norbert Wiener Award for Professional and Social Responsibility der
The Award for Leadership and Excellence in Human Values and Computing der
First Namur Award der Working Group 9.2 der International Federation for
Ehrenpreis des Fachbereichs 8 "Informatik und Gesellschaft" der GI
Und heute ehren wir Professor Weizenbaum hier in Hamburg mit der vierten Verleihung der
Lieber Herr Weizenbaum - es gilt nicht nur, Sie zu ehren sondern auch Ihnen zu danken, für
Wilfried Brauer
Zitate von Joseph Weizenbaum
„“Von wem und wie wurde überhaupt entschieden, daß wir das wollen?““
1 Es gibt menschliche Funktionen, die nicht durch Computer ersetzt werden sollten.
Bücher
Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft
Kurs auf den Eisberg
Sind Computer die besseren Menschen ?
Wer erfindet die Computermythen?
Computermacht und Gesellschaft
Krieg ist der Feind
Wo sind sie, die Inseln der Vernunft im Cyberstrom?
Mit freundlichem Gruß
Deutsches Forum
Sieg über die Unwissenheit verholfen. Was wir errungen haben, ist ein neuer
Konformismus, der uns erlaubt, alles, was gesagt werden kann, in den funktionalen Sprachen
der instrumentellen Vernunft zu sagen, uns aber verbietet, uns auf das zu beziehen, was
Ionesco die lebendige Wahrheit genannt hat. so können wir die ganze maschinelle
Herstellung des Lebens diskutieren und dessen <
weder Gott noch Gnade noch Moral erwähnen Ein echter Computerfreak könnte glücklich darüber sein: Alle sprechen die gleiche Sprache, sehen die Welt gleichartig, irrationales Verhalten kommt nicht mehr vor - Eintracht und Frieden werden nun herrschen.
"Eine der Positionen, die ich hier verteidigen möchte, ist, daß es wesentliche Unterschiede zwischen denkenden Menschen und denkenden Maschinen gibt. Wie immer denkende Maschinen auch hergestellt werden können
- ich bleibe bei der Auffassung, daß bestimmte Denkakte ausschließlich dem Menschen vorbehalten sein sollten.
Platz des Computers innerhalb unserer sozialen Ordnung."
Entscheidungen und Handlungen dieser Forderung auch tatsächlich nachkommt. Für ihn gib es keine Ausrede, denn es gilt: "dass die sogenannte Ohnmacht des Einzelnen eine Illusion ist.
Vielleicht ist es die gefährlichste Illusion, die ein Mensch überhaupt haben kann. Gefährlich ist sie deshalb, weil sie sich erfüllen kann.
wenn es nicht stimmt." "Kurs auf den Eisberg.
Vorbilder nützen. Und er wird nicht müde, zu lehren und zu erziehen.
Es hat sich auch schon manches geändert. Man kann nicht mehr so unbekümmert (und oft
borniert) wie früher, KI oder sonstige Informatik betreiben - zumindest nicht an Universitäten;
Informatikern ist ihre Verantwortung bewußt geworden.
sprachlich nicht nur das vermitteln kann, was sich exakt sagen läßt, sondern auch das, was
sich (im Wittgensteinschen Sinne) nur zeigen läßt. Und er nutzt die Macht des Wortes virtuos
in seiner exakten Argumentation aber auch mit seinen Geschichten, Anekdoten, Witzen,
Anspielungen usw.
Gesellschaftskritikern durch den gewaltigen Umfang all dessen, dem er seine Aufmerksamkeit
widmet, und durch die Tiefe seiner Analysen. Denn Weizenbaum fragt nicht bloß: Was
kann der Computer und was nicht, sondern er fragt auch, was soll der Computer tun und was
nicht, was wollen wir Menschen und was sollen wir wollen. Diese umfassende, ganzheitliche
Betrachtung macht ihn einzigartig und seine Analysen so wirkungsvoll.
KI, vor allem aber für seine kritischen Studien - sowie für sein großes, unermüdliches
Engagement als Erzieher wurde Professor Weizenbaum vielfach geehrt - u.a. durch
- die Verleihung von bisher drei Ehrendoktortiteln:
- eine Reihe von Preisen für sein Lebenswerk:
Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung
nordamerikanischen Vereinigung Computer Professionals for Social Responsibility
Southern Connecticut State University
Information Processing (IFIP)
Preis des Forums InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Veranwortung
(FIFF)
Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Informatik (nach Konrad Zuse, Lotfi Zadeh und dem
jetzigen Laudator).
das neue Weltverständnis, das wir durch Sie gewonnen haben.
Professor Weizenbaum hat uns gelehrt: Die Computer Power kann durch Human Reason beherrscht
werden und beherrschbar bleiben, wenn wir es nur wollen.
Die Vernunft ist nicht ohnmächtig gegenüber der Macht der Computer.
2 Zufälligerweise ist Programmieren eine Kunst, die relativ leicht zu erlernen ist.
3 Ein Computer kann einfach keine menschliche Geschichte oder menschliche Erfahrung haben.
4 Wir haben es in unseren Händen, wir Informatiker, glaube ich, den Krieg fast abzuschaffen.
5 Es gibt Dinge, die nicht mehr im Machtbereich einer alles begreifenden Naturwissenschaft liegen.
6 Computer schaffen die Möglichkeit einer völlig neuartigen Beziehung zwischen Theorien und Modellen.
7 Computer sind nur in den Schulen von Nutzen, die auch ohne Computer gute Schulen sind.
8 Die Vorstellung, Intelligenz könne entlang einer simplen Linearskala quantitativ erfasst werden, hat unserer Gesellschaft vor allem auf dem Gebiet des Erziehungswesens unsäglichen Schmerz zugefügt.
9 Naturwissenschaftler und Techniker tragen aufgrund ihrer Macht eine besonders schwere Verantwortung, vor der sie sich nicht hinter einer Fassade von Schlagwörtern wie dem der technischen Zwangsläufigkeit drücken können.
10 Dass soviele Menschen so oft fragen, was sie tun müssen, ist ein Zeichen dafür, dass die Reihenfolge des Seins und des Tuns sich umgekehrt hat. Wer weiss, wer und was er ist, der braucht nicht zu fragen, was er tun sollte.
11 Als in den 60er und 70er Jahren die Computer-Lemprogramme entwickelt wurden, träumten die Pädagogen die große Utopie, daß nun das Wissen demokratisiert und alle Menschen sich selbst schulen könnten. Später mußte man einsehen, daß dies eine große Illusion gewesen ist
12 Natürlich gibt es auch Perlen im Internet. Aber um die zu finden, braucht der Benutzer eine gewisse Kompetenz. Man muss sich für einen Fachbereich entscheiden, in dem man sich bereits auskennt. Man muss auf jeden Fall so viel wissen, dass man in der Lage ist, eine gute Frage zu formulieren.
13 Ich bin der Ansicht, dass ein in jeder Beziehung zu vereinfachter Begriff von Intelligenz sowohl das wissenschaftliche, wie das ausserwissenschaftliche Denken beherrscht hat, und dass dieser Begriff zum Teil dafür verantwortlich ist, dass es der perversen, grandiosen Phantasie der künstlichen Intelligenz ermöglicht wurde, sich dergestalt zu entfalten.
Computer Power and Human Reason
From Judgement to Calculation
(1976)
oder nur das Wunder wird uns retten, sagt der Computerexperte
(1984)
Weizenbaum contra Haefner
( Klaus Haefner, Michael Haller, Joseph Weizenbaum) (1990)
Der Fortschritt in den großen Irrtum
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Freie Reden
(2001)
Die Verantwortung des Wissenschaftlers
(2003)
Auswege aus der programmierten Gesellschaft
(Joseph Weizenbaum, Gunna Wendt) (2006)
Texte von Joseph Weizenbaum
Karlheinz Croissant